Page 102 - Trailer Journal 2018/2019
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                 BAU | ENTSORGUNG
Absetzkipper | Abrollkipper
  Kempf: Schlittenchassis
Absetzanhänger für ein bis zwei Mul- den sind Plateaus, die früher lediglich seitlich mit Lochleisten zur Verzurrung (vor allem die bei uns inzwischen unter- sagte „Y“-Zurrung) ausgerüstet werden. Inzwischen sind die Techniken für die Ladungssicherung überall optimiert wor- den mit Keilen und Federspeicher-Haken- verriegelungen, um die Zeit und Aufwand für die Festlegung zu verkürzen.
Anhänger für Abrollmulden werden entweder als Außenrahmen-Schienen- Ausführung oder als sogenanntes Schlit- tenchassis gefertigt. Der Schlitten nimmt den Abrollbehälter an der Seite seiner Rol- len auf und der Behälter wird vom Schlit- ten über das Fahrgestell verschoben. Um den Umsetzvorgang zu beschleunigen, werden auch Drehschemelanhänger mit absenkbaren Deichseln verwendet, um die Portaltüren zum Heck hin stehen zu haben.
Muldenanhänger werden meist mit einer pneumatischen Schaltung ausgerüs- tet. Beim Abschließen der Bremsleitungen wird die Luftfederung komplett entlüftet. Das unterbindet das Hochspringen des Chassis bei der Entnahme des Behälters und das Eintauchen beim Aufschieben. Für schnelle Kippzyklen gibt es auch von der Front her zu beladende Anhängerchas- sis, die mittels Kipprahmen den Container zum Heck hin entleeren. Zu den Absetz- und Abrollcontainer-spezifischen Chassis werden auch Kombinationsfahrzeuge an- geboten, die beide Behälterarten aufneh- men können – mit entsprechend höherem Aufwand bei der Verzurrung, die aufgrund der Entwicklungsgeschichten der Systeme
nicht aufeinander abgestimmt ist. Wenig verwendet werden Sattelanhänger mit Abrollsystem. Sie können nur einen Groß- behälter aufnehmen und werden deshalb nur bei Ladungen mit sehr hohen spezifi- schen Gewichten verlangt. Ein wachsendes Betätigungsfeld sind Abrollsysteme auf Zentralachsanhängern in der Landtechnik.
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tig auszulasten, wäre es sinnvoll, wenn der Abroll-Anhängerzug 60 t Gesamtgewicht hätte. Die hat er in den meisten Ländern Europas leider nicht. Da es Abroll-Contai- ner auch mit ISO-668-Rahmen gibt und man ISO-Container auch mit Abroll-Syste- men verschieben kann, stellt sich die Fra- ge, warum die Verkehrsminister Europas dieses System, das an jedem Industriegleis ohne Kran oder Reachstacker funktioniert, nicht längst als förderungswürdige Tech- nik entdeckt haben.
MULDEN
Ganz abgesehen von der Aufnahmetech- nik hat sich in der Behältertechnik eine nicht annähernd beschreibbare Vielfalt entwickelt. Längst ist der Behälter nicht mehr bloß der zulassungs-definitionsge- mäße offene Kasten als austauschbarer Ladungsbehälter. Es gibt nicht nur unzäh- lige Behältergrößen-, -Ausstattungen, -Zu- behöre: auch in der Werkstoffwahl hat sich die Branche zu höherwertigen Materialien bewegt. Von vereinzelten Versuchen mit Kunststoff-Mulden abgesehen geht der Trend vor allem in Richtung verschleißfes- ter Stähle mit Brinell-Härten ab 450.
MULDENABDECKUNGEN
Die Mulden sind mehrheitlich offene Käs- ten. Hier gilt dasselbe Prinzip wie bei an- deren offenen Kästen: Das Ladegut muss für den Transport gegen Aufwirbelung gesichert werden. Denn nach der Stra- ßenverkehrsordnung darf während des Transports kein Ladungsgut auf den Ver- kehrsweg fallen. Die StVO kennt keine Grö- ßenbeschränkung für das herabgewehte Gut, so dass auch Sand und Kies unter die Vorschrift fallen.
Schon vor 30 Jahren hat die Bundes- anstalt für Arbeitsschutz (Henken, Kliem, Kirchner: Aufbauten von Lastkraftwagen, Dortmund 1986) festgestellt, dass das Zu- und Aufplanen von offenen Kästen große Gefährdungspotentiale besitzt. Aus den USA und Kanada gibt es seit dieser Zeit ver- schiedenste Zuplan-Techniken. Sie haben für uns Europäer den Nachteil der Über- breite. Würde man diese Systeme von der Breitenvorschrift ausnehmen, hätten wir genügend Möglichkeiten, einen offenen Absetz- oder Abrollbehälter maschinell und arbeitssicher abzudecken.
FOLKHER BRAUN
  98 trailer-journal
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  ACTS
Das Abroll-Container-Transport-System wurde in der Schweiz von Tuchschmid in Freuenfeld entwickelt. Es besteht im We- sentlichen aus Bahn-Flachwaggons, die mit einem Drehrahmen ausgerüstet werden. Diese können zur Seite um etwa 45 Grad ausgeschwenkt werden. Damit lassen sich Abrollbehälter aufschieben, zu den Wag- gons fluchtend drehen und beim Entladen in umgekehrter Richtung entnehmen. Das Verfahren ist im Verhältnis zur üblichen Vertikal-Technik im EN-Kombiverkehr un- glaublich einfach und benötigt neben den Drehschemel-Waggonausrüstungen nur die ohnehin vorhandene Technik der LKW. Um die Waggons von der Nutzlast her rich-
 














































































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