Page 126 - Trailer Journal 2018/2019
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                          KOMBINIERTER VERKEHR
Wechselaufbauten | Wechselchassis
  Trailer-Innovationspreis: Umschlagssystem von Innovatrain und Wecon
auch großvolumige Luftpresser zu kau- fen gibt. Leider wird in den technischen Daten der Fahrzeuge selten der Hubraum des Geräts angegeben. Oberhalb von 700 cm3 ist man aber auf der sicheren Seite. Der nächste Schritt war (aber nicht bei al- len), die Luftversorgung der Federung vom Mehrkreis-Schutzventil zu entkoppeln und bis auf 12 bar hochzupumpen. Damit kann man im Querschnitt schlankere Luftfeder- bälge verbauen und dennoch die Hubleis- tung erbringen.
Beim Anhänger geht das nicht: Er ist auf maximal 8,5 bar über Anschluss 23 versorgt. Üblich sind 8 bar, nicht sel- ten kommen aber nur 7,5 bar an. Jetzt ist die Frage, welchen Luftvorrat der An- hänger hat. Standard sind 80 l für die Bremsanlage und 20 l je Luftfederachse. Deswegen gibt es in der Praxis 80 plus 80, 80 plus 60 und 80 plus 40. Man muss sich jetzt die Wirkung des mangelnden Vorrats in das Gedächtnis rufen: Die An- hänger-Luftfederung ist über ein Über- strömventil mit dem Bremsluft-Vorrat verbunden.
Wird der Luftfeder-Kreis geleert, macht das Überströmventil bei 5,5 bar zu. Vorher hat es aber den Kreis 3 der LKW-Luftanlage auch zum Dienst heran- gezogen. Damit gehen aber auch Fest- stellbremse und Getriebeschaltung in Richtung Funktionsunfähigkeit. Deswe- gen lässt der Fahrer beim Umpritschen den Motor laufen. Die Kosten, die dann durch das Pumpen und das Rangieren wegen fehlender Sicht entstehen, wer- den in der Praxis leider zu wenig berück- sichtigt.
BESONDERE WECHSELTECHNIK
In der Basisversion sind DIN/EN-Wech- selaufbauten im kombinierten Güterver- kehr auf das Vorhandensein einer „Vertika- lumschlagsanlage“ angewiesen. Darunter versteht man eine Gütergleis-Anlage (ohne Oberleitungs-Fahrstrom) und den Betrieb von einem bis mehreren Umschlagskranen. Diese Technik ist vergleichsweise teuer. Nicht so sehr das Kranen als die Tatsache, dass der Zustellverkehr teuer ist. Daher wur- den Techniken entwickelt, um den Wech-
selaufbau horizontal umzuschlagen. Be- kannt wurden die Systeme von Bermüller/ Palfinger und der Schweizer Bundesbahn, Cargo-Domino. Deren Nachteil besteht darin, dass ihre Verschubeinrichtungen entweder besondere Ausformungen im WAB-Fahrgestell oder Adapter außen am Behälter benötigten. Die Lösung des Prob- lems bietet Innovatrain, eine in der Schweiz entwickelte Technik, welche die Kanäle für die Umschlags-Hydraulik schlicht in einen Hilfsrahmen auf dem Bahnwaggon integ- riert hat. Dieses Konzept macht den kombi- nierten Güterverkehr ab einer Bahnstrecke von etwa 70 km rentabel. Die Vertikal-Frak- tion kalkuliert hingegen 500 km.
Die Attraktivität der Innovatrain-Tech- nik ist: sie funktioniert mit jedem Wech- selaufbau und – bald – mit jedem ISO-Con- tainer. Erforderlich ist nur ein Gütergleis (gern auch mit Stromführung) und ein 4 m breiter befestigter Weg neben dem Gleis. Das System erhielt 2016 den vom KFZ-An- zeiger und einer internationalen Jury auf der IAA in Hannover erteilten Trailer-Inno- vationspreis. FOLKHER BRAUN
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