Page 187 - Trailer Journal 2018/2019
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                 Das erste Lenksystem für An- hängerfahrzeuge war die Drehschemelachse. Sie wur- de vor etwa 2.500 Jahren erfunden. Damit war der Zweiachs-Anhänger endlich lenkfähig und auch innerstädtisch verwendbar.
DREHSCHEMELACHSE
Die Technik der Drehschemelachse ist vergleichsweise einfach: Die zu drehende Achse wird an der Oberseite mit einem Teller ausgestattet, dem ein Teller an der Unterseite des Fuhrwerks als Auflage dient. Beide werden mittels eines Dorns als Drehpunkt (Reibnagel) miteinander verbunden. Diese Technik wurde erst mit Hilfe von Stahlringen optimiert. Die wirklich entscheidenden Optimierungen waren dann die Kugel- und Walzen-Lenk- kränze von Fruehauf und Kässbohrer in der 20er Jahren.
Der Nachteil der Drehschemel-Len- kung ist das Anwinkeln der vorderen Ach- se gegen die starre Hinterachse. Dadurch erhält man eine zum Drehpunkt verlau- fende Kippkante. Zudem erfordern die Räder der Drehschemelachse entweder einen hohen oder einen gekröpften Rah- men, damit die Räder unter dem Fahrge- stell durchdrehen können.
Im Kutschenbau verwendete man des- halb gern kleinere Räder an den Drehsche- melachsen, um die Achse auch über die Rahmenbreite gegenüber dem Chassis an- winkeln zu können. Daran erinnert heute die übliche Halskröpfung der Längsträger.
NACHLAUFLENKUNG
Die Nachlauflenkung ist eine Sonderform der Achsschenkel-Lenkung. Der Dreh- punkt der Achsschenkellager befindet sich vor den Radsätzen. Dadurch läuft die Achse bei Vorwärtsfahrt den starren Ach- sen „nach.“
Vor der Rückwärtsfahrt muss sie ge- sperrt werden. Das erfolgt heute elektro- pneumatisch durch Blockieren einer Kulis- se mit einem Sperrbolzen. Die Steuerung kann auf Druckerhöhung oder mittels Federspeicherzylinder auf Drucksenkung ausgelegt sein.
ACHSSCHENKELLENKUNG
Die Achsschenkellenkung ist eine tech- nikgeschichtlich kuriose Angelegenheit.
Einzelradaufhängung mit Zwangslenkung, Faymonville/SAF-Holland
  → Lenkungen an Sattel- anhängern werden heute mit vier verschiedenen Techniken angeboten.
Sie wurde nacheinander von vier Erfin- dern entwickelt und dreimal patentiert. Der erste war Dr. Erasmus Darwin 1761 in Großbritannien. Er patentierte das System nicht. Patente erhielten Georg Lanken- sperger in München 1816, der in Großbri- tannien den Verleger Rudolph Ackermann 1817 beauftragte, ein Patent zu erwirken. Daher wird bis heute vom „Ackermann-
Weweler: Tieflader-Lenkachse, gekröpft
Parallelogramm“ gesprochen. Danach ge- riet die Lenkung in Vergessenheit.
1878 erhielt Amédée Bollée in Frank- reich ein Patent. Denn er hatte eine Me- thode gesucht, seine schweren Dampf- wagen zu stabilisieren. Und schließlich erhielt Carl Benz 1893 ein Patent auf die Achsschenkellenkung. Beide Verfahren werden auch heute in der Trailertechnik verwendet.
SATTELANHÄNGER-LENKUNGEN
Lenkungen an Sattelanhängern wer- den heute mit vier verschiedenen Tech- niken angeboten. Basis ist jeweils ein
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