Page 29 - Trailer Journal 2018/2019
P. 29

                      KLARE KRITERIEN
Wer beim Karosserie-Monteur ein Kom- plett-Fahrzeug bestellt, sollte nicht nur beim Aufbau, sondern auch beim Fahr- gestell klar die Kriterien formulieren. Mindeststandard ist eine Spritzverzin- kung mit Decklack, darüber anzusiedeln sind KTL, möglichst mit Pulverlack-End- lackierung, oder Feuerverzinkung, gern auch mit Lacküberzug, um das Anhaften von Straßenschmutz auf den rauen Flä- chen zu unterbinden.
Ob jetzt das Fahrgestell mehr ge- schweißt oder vorzugsweise geschraubt ist, hat nach den bisherigen Erkennt- nissen wenig mit der Dauerhaltbarkeit der Konstruktionen zu tun. Es handelt sich jeweils um Optimierungen im Herstellungsprozess, um preislich auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein.
 Schubboden-Chassis geschraubt, Kraker-Trailers
Es folgte Kögel mit einer KTL-Anlage und zunächst konventioneller Lackierung. Heute verwendet Kögel eine Variante der Niedrig-Temperatur-KTL mit besonders kleinen Lackpartikeln (Nano-Keramik). Humbaur und Schmitz Cargobull setzen seit über zehn Jahren auf die Feuerver- zinkung. Die Verzinkung erfolgt vor dem Zusammenbau der Chassiskomponenten. Das vermeidet die Verzüge in der Konstruk- tion während des 450 Grad heißen Tauch- bades.
Hersteller mit komplexeren Bauteilen (zum Beispiel Faymonville und Schwarz- müller) bieten die Spritzverzinkung. Damit ist das Thema Oberflächentechnik heute im Grunde „saniert.“ Da im Stahlbau für stationäre Anlagen ebenfalls mehr Verzin- kung oder Tauchlackierung gefordert wer- den, können auch die Hersteller kleinerer
Trailer-Stückzahlen diese anbieten, da die entsprechenden Anlagen nicht mehr weit entfernt angesiedelt sind.
Eine neue Technik ist das ACC oder „Aquence“ genannte Verfahren, dessen Chemie von Henkel und die Anlagentechnik von Dürr angeboten werden. Hierbei wird die Beschichtung rein chemisch hergestellt, bei nur acht Tauch- und Spülvorgängen. Zudem ist der Energiebedarf deutlich ge- ringer als bei der Elektro-Tauchlackierung. Im Fahrzeug-Komponentenbau verwendet Räckers in Ottenstein das ACC-Verfahren.
HILFSRAHMEN FÜR LKW
Die LKW-Hersteller machen den Karosse- riebauern sehr detaillierte Vorschriften, wie Hilfsrahmen an ihre Hauptrahmen anzuschließen sind. Die Hilfsrahmen selbst können aus Alu-Profilen oder Stahlprofilen
zusammengestellt werden. Kritisch ist die Tatsache, dass LKW-Hauptrahmen häufig zwei Nachteile haben: Bei Frontlenker-Ka- binen reicht der breitere Bereich des Rah- mens bis hinter die Kabine, und zur Ver- schraubung des Hilfsrahmens fehlt nicht selten das passende Bohrbild im Hauptrah- men. Deswegen war über Jahrzehnte der Anbau des Hilfsrahmens von den Gesamt- kosten her oft teurer als der anschließend montierte Aufbau.
Heute kommt die Problemlösung für den Karosseriebau oft von den Bausatz- Herstellern. Diese setzen seit Jahren auf C- und Z-Profile mit durchgehendem Bohrbild für den Hilfsrahmen und bieten verschie- denste Adapter für die Längs- und Quer- anbindung. Der Pionier in diesem Thema ist Peter Kiesling, der schon vor 20 Jahren seine Hilfsrahmen für die FRC-Kühlkoffer nicht nur mit regelmäßigen Bohrbildern versah, sondern mindestens einen seiner LKW-Lieferanten überzeugen konnte, die Schablone zu übernehmen.
Inzwischen sind im Grunde alle Auf- bau-Systemlieferanten auf diese Technik gekommen. Der Unterschied ist nur noch, ob die Teile kathodisch tauchlackiert oder feuerverzinkt oder in beiden Versionen an- geboten werden. FOLKHER BRAUN
 ↓ ACHSKONSTRUKTIONEN
• DiegängigsteBauweiseistdie Starrachse, blatt- oder luftgefedert. Der Luftfeder-Anteil bei den 9-t-Trailer- achsen liegt bei 90 Prozent.
• DiestarreAchsekannauchunter einem Kugellenkkranz montiert sein und als Drehschemelachse vorn im Zwei- und Mehrachsanhänger oder als zwangsgelenkte Achse im Sattelanhänger montiert sein.
• ReibungsgelenktsindNachlauf- lenkachsen. Sie müssen bei der Rück- wärtsfahrt gesperrt werden.
• EinAchsstummelwirdübereinDrehla- ger in Anordnung eines Kipphebels mit
Feder- und Bremsgeräte-Elementen verbunden. Diese Technik verwendet man bei sogenannten „Gabel-Fahr- gestellen“, die einen Ladungsträger zwischen diesen beiden Strängen aufnehmen (Glaslader und Innenlader) oder Doppelstock-Kofferaufbauten,
• DieDoppelquerlenker-Version,meist mit Hydrostempel-Ausgleich, seit 2014 auch mit Luftfederung (von Broshuis).
• DieMcPherson-Versionmitunterem Querlenker und führendem Hydro- stempel (Goldhofer).
Aufgrund der verschiedenen Möglich- keiten und Voraussetzungen darf man die Fahrgestelltechnik nicht von der Fahrwerks-undAufbautechnikgetrennt betrachten.
trailer-journal 27
 TRAILER
TIPP










































































   27   28   29   30   31