Page 31 - Trailer Journal 2018/2019
P. 31

                  Im Zeitalter der Pferdefuhrwerke wa- ren Pritschen durchweg mit Holz- bohlen (Dielen) ausgelegt. Um die Ladung gegen Spritzwasser von der Unterseite her zu schützen, sägte man die Kanten auf Nut und Feder. Nur bei Kippern wurde diese Ausrüstung erweitert, indem auf die Böden und die Innenseiten der Wände Blechtafeln geschraubt wur- den. Über Imprägnierungen der Holzteile ist nichts bekannt, obwohl sich das bei der großen Anzahl offener Pritschen angebo- ten hätte.
Andererseits war die Be- und Entlade- tätigkeit fast durchweg Handarbeit. Des- halb war der Erfolg des Sattelanhängers (zunächst in den USA durch Fruehauf) vor allem der Möglichkeit geschuldet, den Transport von der Be- und Entladearbeit zu entkoppeln.
Die wichtigste Optimierung im Zusam- menspiel zwischen Ladung und Transport- mittel war die Erfindung des Gabelstaplers (Clark und Yale um 1925). Wer dann die verschiedensten Ladungsträger erfunden hat (Holzpalette, Gitterbox, Ecksäulen-Ge- stelle), ist zwar nicht bekannt, aber für die Entwicklung der Transportmittel sind diese Dinge von größter Wichtigkeit. Denn wenn man mit dem Flurförderzeug auch auf den Ladungsbehälter fahren kann, entfällt viel Handarbeit. Nur muss der Boden dann für solche Traglasten ausgelegt sein. Zudem musste man die Ladungsträger in Länge und Breite normen, damit sie mit den Be- hältern kompatibel sind.
VERSIONEN VON BÖDEN
Die Verwendung von Schichtholz (Sperr- holz) konnte sich erst vor etwa 50 Jahren durchsetzen, obwohl das Furnierschälen bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwi- ckelt war (zum Beispiel bei Blomberger). Das in Schichten von 1 bis 3 mm jeweils im 90-Grad-Winkel zueinander verklebte Holz zeigte bemerkenswerte technische Eigen- schaften. Als man es dann noch so versie- geln konnte, dass der Eintrag von Feuch- tigkeit lange unterblieb, wurde Plywood in Zentraleuropa zur gängigsten Bodenplatte in Pritschenfahrzeugen.
Für diese Böden gibt es zahlreiche Normen. Nach einer Aufstellung des finni- schen Herstellers UPM-Kymmene sind zu den einschlägigen Normen 13 Prüfbereiche zu beachten, und zwar:
• Festigkeitsprüfung,
• Taber-Test (Verschleißwiderstand), • Cobb-Test (Wasserabsorption),
• Rollentest,
• Wetterbeständigkeit,
• Bruchtest,
• Ca(OH)2-Siedetest,
• Verleimungsqualität,
• Beschichtungshaftung,
• Formaldehyd-Emission,
• Chemische Beständigkeit,
• Brandprüfung,
• Schallisolierung.
Dabei kalkulieren die Boden-Hersteller mit sogenannten Durchbiegungswerten, differenziert nach den verwendeten Holz- arten. Ein hierzu verwendetes Kriterium ist die Bodentragfähigkeit nach EN 283 („Wechselpritschen-Prüfnorm“). In Punkt 5.8 wird gefordert, mit zwei Staplerreifen mit je 185 mm x 100 mm Aufstandsfläche, 2,2 t Last je Rad bei einer Spurweite von 760 mm einen Stapler über den Boden zu fahren. Deswegen wird in technischen Da- ten eine „Staplerachslast“ nach EN 283 von 4,4 t (alt) oder die entsprechende nach EN- neu/CSC von 5,46 t erwähnt.
Bis heute wird auch vereinzelt ein zwei- teiliger Boden installiert (bei Kögel bis 2002 Standard). Diesen Aufwand betreibt heute kaum noch ein Anbieter (bei Schwarzmül- ler eine Option), weil die Montagezeit zu lang ist. Die Plattenhersteller betreiben heute für die Fahrzeughersteller den Zu- schnitt einschließlich Kantenversiegelung selbst. Beim Einbau werden die Teile mit Saughebern auf dem Fahrgestell in Positi- on gelegt. Anschließend erfolgt nur noch die Verschraubung. Nach anfänglichen Versuchen in Italien vor 15 Jahren ist inzwi- schen auch die – elastische – Verklebung von Plywood-Platten Stand der Technik. Hier werden nur noch wenige Holzschrau- ben zur Fixierung verwendet, da die Kleb- stoffe erst nach 24 Stunden ihre Funktion erfüllen können.
HARTHOLZ UND BAMBUS
Die überwiegend verwendete Holzart au- ßerhalb Europas sind Harthölzer wie Aka- zie, Buche, Eiche sowie Apitong/Keruing oder brasilianisches Eisenholz. In vielen Fäl- len handelt es sich bis heute offenbar um ungenehmigte Rodungen. Solche Aktivitä- ten haben zahlreiche Verarbeiter aus der
Fertighaus-, Möbel- und Fahrzeugindustrie veranlasst, andere Holzarten zu verwen- den. Die Container-Owner-Association berichtet im Januar 2014, dass bereits im Jahr zuvor 720.000 ISO-Container aus einer Gesamtproduktion von 2,4 Millionen mit Bambus-Böden ausgerüstet wurden. Das schnell wachsende Gras mit den harten Rundrohr-Stäben wird in Streifen geschnit- ten, und die Streifen werden dann ver- presst. Ein Bambus-Wald regeneriert sich nach etwa fünf Jahren, und weil das Rohr besser vor Ort geschnitten und gepresst wird – statt mit viel Volumen um die Welt gefahren – eignet es sich auch für Produk- tionsstätten vor Ort. Die „Ecoplanetbam- boo“ (.com) engagiert sich für Plantagen in Mittelamerika und Westafrika. Bisher sind die meisten Anbaugebiete in China zu fin- den.
METALLBÖDEN
Für Ladungsarten, die Punktlasten auf der Ladefläche bewirken, oder Bereiche im Rahmen, die nicht sinnvoll mit Holz aus- gekleidet werden können (sehr häufig bei Tieflader-Konstruktionen), eignen sich Auflagen aus Metall. Allerdings müssen diese präzise mit Rahmenteilen unter- stützt werden, damit sie nicht ausbeulen.
  OFFENE PRITSCHENBÖDEN LEIDEN AM MEISTEN
Die Plywood-Technik ist heute vom Herstellungsprozess her ohne Tadel, zumindest, was die bekannten Anbie- ter angeht. Bei der Montage im Trailer sind – durch Zeitersparnisse – gewisse „Vereinfachungen“ festzustellen, die man als Kunde nicht akzeptieren muss. Im Notfall genügt hier das Nacharbeiten mit Acrylfarbe, um durch Schrauben ge- öffnete Schichten zu schließen. Bei den Verbund-Böden bemerkt man Fehler oft erst nach Jahren.
Aber selbst bei den mehrschichtigen Kühlkofferböden kennt man gravieren- de Fehler heute nicht mehr. Bleiben die offenen Pritschen. Hier genügt die Aus- sicht, nach gewissen Nutzungsdauern den Austausch vornehmen zu müssen.
 TRAILER
TIPP





































































   29   30   31   32   33