Page 48 - Trailer Journal 2018/2019
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                            GARDINENPLANE IST DER STANDARD
Die fünfteilige Vollplane mit ihrem oft sehr einfach gehaltenen Planengestell kann man heute nur noch dann empfeh- len, wenn die Be- und Entladung recht selten erfolgt. Die einzige Ausnahme bildet die Zollverschluss-Vollplane, die noch für Transporte unter Carnet-TIR gebraucht wird. Doch auch Curtainsider bekommt man heute mit Zollverschluss- Anerkenntnis. Für alle anderen Einsatz- arten empfiehlt sich die Spann-Gardi- nenplane, da sie schneller zu bedienen ist.
Bei den Planen gibt es die zu Millionen Quadratmeter weltweit hergestellt Polyester-Plane. Für besondere Anforde- rungen werden heute hochspezialisierte Gewebe angeboten, deren Bekannt- heitsgrad aber noch verbesserungsfähig ist.
  Plane mit Schnittschutz: Kögel-Curtainsider
Eine besondere Form ist die Zollver- schluss-Plane. Dort werden Verschlüsse im Abstand von 20 cm verlangt. Und das waa- gerechte Zollseil (mit Stahl- oder Gewebe- seele) muss säuberlich über die senkrech- ten Ösen-Krampen-Ensembles, durch die ein Kunststoff-Gurt gefädelt wird, gezogen werden.
Ein häufiger Fehler der Fahrer ist ihre Neigung, die Endstücke der waagerechten Zoll-Seile zu knoten. Die Knoten sind völlig überflüssig, weil sich kein Seil selbsttätig aus den Krampen ziehen kann. Aber die Enden verwandeln sich durch das Knoten zu „Schraubenfedern“, die beim Herauszie- hen unkontrollierbar springen. Hier haben sich nicht wenige Geschichtsverletzungen ereignet, besonders gefährdet sind Bril- lenträger. Die Vollplane ist unabhängig von der Verschlusstechnik technisch völlig veraltet, reparaturanfällig und arbeitsun- sicher.
CURTAINSIDER
In der Anfangszeit der Curtainsider wurden ihnen wunderbare Fähigkeiten angedich- tet. Bei beschleunigter Kreisfahrt würden auf jeden Fall die Seitenplanen die Ladung
PLANENFAHRZEUGE
Planen | Verdecke
auf der Plattform halten. Das war zwar richtig, die Sattelauflieger waren wegen der verrutschten Ladung aber nicht mehr fahrfähig.
Im Zuge der Fahrprüfungen nach EN 12642 Anhang 2 wurden zunächst einige Irrtümer aufgeklärt. Die senkrechten Gur- te können im geraden Zug zwar 1.000 daN Zugkraft aufnehmen. Infolge der Nieten an den Planenrollern beträgt die Belastbarkeit aber höchstens 400 daN. Das sind bei 24 Gurten nur 9.600 daN. Und das sind bei der Prüfung mit 27 t Nutzlast nach EN noch 1.200 daN zu wenig. Deswegen besitzen die nach „XL“-Version der Norm geprüfte Aufbauten auch waagerechte Gurte. War in der Anfangszeit es noch üblich, leichte Zurrgurte von der Stirnwand oben diago- nal zum Außenrahmen zu spannen, findet man heute diese Diagonalaussteifung als aufgeschweißten Planengurt.
Besondere Ausrüstungen werden häu- fig entlang von Fahrprüfungen mit be- stimmten Ladungen festgelegt, meistens von Verladern. Eine bekannte Richtlinie ist die Daimler RL 9.5 (früher bekannt als DCE 9.5).
BESONDERE AUSRÜSTUNGEN
Schon vor 30 Jahren fand man im kombi- nierten Güterverkehr ein Problem: Löcher in den Dachplanen infolge des heißen Metallabriebs von Stromabnehmern. Die Lösung war die Verwendung von Geweben aus Aramidfasern (ein bekannter Handels- name ist Twaron).Die nächste Entwick- lungsstufe war, die Curtainsider-Planen seitlich zu erweitern, um überbreite Ladun- gen unter Plane fahren zu können.
Um das Problem der Ausbeulung bei Kurvenfahrt in den Griff zu bekommen, gibt es verschiedenste Methoden wie ver- schiebbare Kunststofftafeln, in die Plane eingelegte Alu-Profile, Stahlstäbe oder Edelstahl-Streifen.
Die zunehmenden Ladungsdiebstähle zwingen zu weiteren Verbesserungen. Die einfachste Version ist das Drahtgitter bis zu etwa 2/3 Fahrzeughöhe mit 150 mm Ma- schen bis hin zur mehrschichtigen Sicher- heitsplane mit zwei Drahtgittern und elek- trischem Kontakt im Falle des Durchstichs.
SCHNEE UND EIS
Ein Problem des Planendachs ist die Was- seransammlung bei stehendem Fahr-
zeug, die zur kalten Jahreszeit auch zu Eisplatten oder Schneeklumpen dort führt. Eine Behebung wäre das möglichst zahlrei- che Aufstellen von Gerüsten in Industrie- gebieten und an Rastplätzen, von denen aus sich die unerwünschte und für andere Verkehrsteilnehmer sehr gefährliche Last herunterschaufeln ließe.
Eine technische Lösung sind ein oder mehrere längs- oder quer verlegte Luftsä- cke im Planendach. Als der Planenaufbau noch nicht vier Meter hoch sein musste, behalf man sich noch mit der sogenann- ten „Spriegelsteigung“. Die Querträger des Planengestells waren in der Dach- höhe gewinkelte Profile, weshalb Regen und Schnee leicht zu den Seiten ablaufen konnten. Heute braucht man stattdessen Luftsäcke.
Für Kofferfahrzeuge gibt es bisher kei- ne technische Lösung für den Schnee- und Eis- Auftrag. Gearbeitet wird an Systemen, die die Planen-Dachfläche aufheizen statt schrägstellen. Stand der Technik sind Auf- steller aus Draht mittig auf den Spriegel, die den gleichen Effekt beabsichtigen wie die pneumatischen Versionen.
FOLKHER BRAUN
 70er Jahre: Pritsche-Plane mit Zollverschluss
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         TRAILER
TIPP








































































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