Page 50 - Trailer Journal 2018/2019
P. 50

                 PLANENFAHRZEUGE
Spezial-Planensysteme
    SINNVOLLE INVESTITION
Schnelle Planensysteme gewinnen in Europa Marktanteile, weil seit der Ein- führung des digitalen Tachographen Be- und Entladezeiten als Teile der Ge- samtarbeitszeit wichtig geworden sind. Zudem kommt der Aspekt der Arbeits- sicherheit in die Betrachtung, denn das Herumturnen auf Planengestellen oder Absetzmulden wird von den Versiche- rern zunehmend kritisch beurteilt. Inves- titionen in schnelle und sichere Systeme sind daher sinnvoll, sofern der Aufwand von Verladern oder Ladungsempfängern honoriert wird.
  bauten. Der konzeptionelle Nachteil war, dass die Wellen die Ausdehnung der Plane durch Alterung und Temperatur nicht aus- gleichen konnten. Das Problem löste Fliegl mit Triangelhaken mit unterschiedlichen Schenkelstärken. Dieses „Quick Lock“ ist somit das älteste in Serie gebaute Schnell- verschluss-System.
Aus dem „Ezi-Tarp“ von Freighter in Australien entwickelte Krone eine pneu- matisch betätigte Niederzurr-Anlage. Ein durchgehendes, in die Seitenplane einge- schlauftes Seil wird mit mehreren Haken per Luftzylinder nach unten gespannt. Kro- ne optimierte die vorher per Klinke manu- ell zu bedienende zweite Sicherung durch eine in den Luftzylinder integrierte auto- matische Sicherung.
Kögel hat die Idee des „Comfort“-Ver- schlusses mit Drehwelle von 1995 durch den Einsatz von Federspeicher-Zylindern beschleunigt. Die konventionelle Hebel- Spannschloss-Ausrüstung bleibt erhalten.
ZWEI-SCHIENEN-SYSTEME
Diese Planensysteme sind wiederum zu unterscheiden, ob sie die konventionelle waagerechte Spannung der Curtainsider verwenden (Wickelwellen, Spannratschen) oder an einer oder beiden Seiten feste End- laufwagen besitzen. Hierbei kann der Ver- schlussmechanismus im Wagen oder in den Ecksäulen montiert sein.
Die nächste Differenzierung ist, wie die Plane geführt wird, um beim Aufschieben
kontrolliert nach außen zu falten, zum Bei- spiel:
• Senkrechte Teleskoprohre mit der Sei-
tenplane verklammert und Gegenge- wichte oben an der Plane (STP, Schiebe- tür-Plane), mit zwei Endlaufwagen,
• Alu-Lamellen, die zur Faltung nach au- ßen entsprechend angelenkt sind, wobei die Plane zur Stabilität des Systems nicht benötigt wird (Libner l’open box) oder nach entsprechender Entsperrung auch nach innen falten kann in der Art eines Schiebebügel-Systems (Libner l’open box C+),
• Planenfaltung mit Kunststoff-Scharnie- ren, senkrechte Kunststoffrohr-Lade- raumbegrenzung, konventionelle waagerechte Planenspanner (Schmitz Cargobull „speed curtain“).
Dem Vorteil der schnellen Bedienung steht der Nachteil gegenüber, dass die La- dung während des Transports nicht in die Streben fallen darf. Dadurch wird die Öff- nung der Plane an dieser Stelle gestoppt. Deshalb werden diese Aufbauten bevor- zugt dort eingesetzt, wo die Ladungsstapel recht massiv sind.
SCHIEBEBÜGEL-SYSTEME
Aus den USA stammt die Idee, eine Vollpla- ne nach Art einer Ziehharmonika komplett zu öffnen und zu schließen. Diese Syste- me können schnell auf Plattformtrailer aufgesetzt und bei Bedarf auch von der
Plattform abgefahren werden. Die Basis sind Laufschienen am Außenrahmen auf die in Rollenwagen geführte miteinander verbundene „Λ“-Bügel aufgeschoben wer- den. Die Spitze der Bügel ist jeweils mittels Querspriegel mit der Gegenseite verbun- den. Beim Zusammenschieben des Planen- systems zum Heck oder zur Stirnwand hin heben die Bügel die Plane. Jedoch fallen wie beim Schiebeverdeck Planensegmen- te zwischen die Bügel. Dadurch wird die Durchladehöhe verringert. Eine Alternative dazu ist die „Y“-Anordnung (zum Beispiel bei Edscha Trailer Sysems) oder die „X“- Anordnung (Kotschenreuther-Tarpex).
Weitere kritische Punkte dieser Syste- me sind
• die Abdichtung unter der Stirnwand, • die Befestigung an der Stirnwand,
• die Heranholung am Heck,
• die Qualität der Laufschienen,
• die Reparaturmöglichkeit unterwegs,
• die Positionierung von Einrichtungen zur
Ladungssicherung.
Diese Punkte sind bei den in Europa verfügbaren Modellen unterschiedlich gut gelöst. Dass ihre Verbreitung bei uns recht gering ist, liegt daran, dass Planensyste- me zur Fahrzeugbreite gezählt werden. In Amerika ist das nicht der Fall, weshalb es dort auch sehr einfache Planensysteme für Kipp- und Absetzmulden gibt, die bei uns so nicht verwendet werden können.
FOLKHER BRAUN
48 trailer-journal
In 35 Sekunden offen: Schmitz Cargobull „Speed-Curtain“
 TRAILER
TIPP



































































   48   49   50   51   52