Page 153 - Trailer-Journal 2020/2021
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                 Der Rundholztransport be- ginnt geschichtlich gesehen mit dem Langholz. Dass man die Stämme nicht am Ort der Fällung klein geschnitten hat, hat eine schlichte Ursache: Bis in die 30er Jahre waren das Fällen (per Axt) und das Zersägen von Hand (im Zwei-Mann- Betrieb) eine zeitraubende Arbeit. Also war die Holzwirtschaft darauf angewiesen, möglichst lange Stämme zur Verarbeitung zu fahren.
Verbürgt ist zum Beispiel ein Büssing Typ „V“ Sattel-Holzzug mit mechanischer Nachlenkung des Anhängeraggrega- tes (durch einen am Aggregat sitzenden Beifahrer) aus dem Jahr 1912 (in: W.H. Gebhardt: Geschichte des deutschen LKW- Baus, Augsburg 1994, Bd.1 S.49). Nennleis- tung des Motors: 40 Pferdestärken. Berei- fung: Vollgummi.
ENTWICKLUNGEN
Anfangs war das Laden der Stämme eine kraftraubende Tätigkeit: die Rungen ei- ner Fahrzeugseite wurden abgeklappt, und dann wurden die Stämme mittels Seilwinden auf den Wagen gezogen. Zwei Entwicklungen rationalisierten die Forst- technik: die Entwicklung des hydraulischen Ladekrans (1944) und der Ein-Mann-Motor- kettensäge (1950). Letztere sorgte für das Fällen, das Entasten und den Zuschnitt der Stämme auf die gewünschten Längen. Der hydraulische Ladekran auf dem LKW mach- te dann den Holzzug autonom: Er fährt zum Polter (der Stämmesammlung im Wald), lädt auf, fährt zum Sägewerk oder zur Umladestation Straße/Schiene oder Straße/Binnenschiff und lädt ab.
Der Motorsägen-Operateur erhielt dann in den 80er Jahren Konkurrenz durch den Harvester. Dieser Holzstämme-Ern- ter schneidet Stämme bis etwa 800 mm Durchmesser, entastet sie und schneidet sie auf die gewünschte Länge. Um keine Zeit beim Transport zum Polter zu ver- lieren, arbeitet der Harvester mit einem Forwarder zusammen. Dieses Fahrzeug sammelt die Stämme und fährt sie zum Sammelpunkt.
Der Forwarder ist auch dazu geeig- net, Holz-LKW und Anhänger zu beladen. Dadurch entfällt oft die Ausrüstung der Holzzüge mit Ladekränen. Das funktioniert aber nur, wenn Fällung, Poltern und Ab-
Schemel-Nachläufer von Huttner
  Wellmeyer: Schemelanhänger
fuhr organisiert sind. Deshalb gibt es heue gewichtsoptimierte Kurz- und Langholzzü- ge, die ohne Forstkran gern 2 bis 2,5 t Nutz- last mehr fahren können.
LANGHOLZ
Aus dem Langholz-Fahrschemel mit Führerstand am Heck zur mechani- schen Kurvenlenkung entwickelten die
Fahrzeughersteller die autonome Verdrän- gerlenkung im Nachläufer. Das Verdrehen des Fahrschemels bei der Kurvenfahrt wird hydraulisch auf eine Lenkbewegung der Vorderachse des Selbstfahrers übersetzt.
Die nächste Optimierung war, auch die zweite Achse anzusteuern. Die übernächs- te Optimierung ist, die Nachläufen hyd- raulisch an Geberzylindern anzuschließen,
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