Page 193 - Trailer-Journal 2020/2021
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                 Über Jahrzehnte war die Welt der Anhängerbremse in Ord- nung. Der LKW versorgte die Anhänger-Bremsanlage über den „roten“ Kupplungskopf mit dem Vorratsdruck, und über den „gel- ben“ Kupplungskopf wurde der Brems- druck eingesteuert. Man nennt diese An- ordnung Zweileitungsanlage.
So weit, so gut – zumindest im Ver- gleich zur Einleitungs-Anhänger-Bremsan- lage, die sich in der Bundesrepublik hartnä- ckig bis zum Jahr 1987 halten konnte. 1987 verunglückte der Mineralöl-Sattelzug in Herborn, was einen Großbrand mit vielen Toten und Verletzten auslöste. Die Politik stellte daraufhin die Einleitungsanlage auf den Prüfstand und verordnete ihr Umrüst- und Auslauffristen. Obwohl diese Anlage an der Katastrophe von Herborn gar nicht beteiligt war. Es war halt aufgefallen, dass die Bundesrepublik bremstechnisch rück- ständig war.
AUTOMATISCH-LASTABHÄNGIG
Der Bremsdruck, früher präziser „Steuer- druck“ genannt, musste im Anhänger der tatsächlichen Beladung angepasst werden. Dazu war ein Strahlenregler eingebaut. Er hatte die Einstellungen „leer“, „mittel“ und „voll“ und dazu eine Bremslösestellung. Fehlbedienungen waren hier nicht selten.
Vom Sattelanhänger kannte man die automatisch-lastabhängige Regelung der Bremse (ALB). Die Einfederung bei Blattfe- der-Fahrwerken und die Druckänderung bei Luftfeder-Fahrwerken waren die Steu- ergrößen für die lastabhängig bremsenden Anhänger.
Nein, im Grunde war die Anhänger- Bremsenwelt überhaupt nicht in Ordnung. Das Setzen der Blattfedern im Betrieb erfor- derte eine Nachjustierung der Regelventile, bei luftgefederten Anhängerfahrzeugen war der Anhänger mit seinen zwei ALB- Ventilen schwierig, der Sattelanhänger eher weniger. Die Reifen-Abriebspuren auf den Straßen bezeugten damals nicht selten, dass dort gerade ein Satz Reifen ver- nichtet wurde.
ANTI-BLOCKIER-SYSTEM
Nachdem die LKW-Hersteller schnell die Vorteile des ABS für sich erkannten, blieb das Anhänger-ABS seit der Vorstellung 1982 erst mal ein Ladenhüter. Noch 1995
Schmitz Cargobull: Einbaulage Wabco TEBS 5 und Wegsensor
  Hub-Senkventil klassisch ohne RtR: Wabco im Kögel-Chassis
betrug der Anteil der ABS-Ausrüstung bei den Anhängerfahrzeugen in Deutschland unter 10 Prozent. Das hat auch damit zu tun, dass die EG drei Systeme ABS im An- hänger zuließen, wovon zwei technisch unbrauchbar waren.
Zumindest konnte man mit LKW-ABS und Anhänger-ABS die früheren Schäden
beim Blockieren überbremster Achsen aus- schließen. Und damit das Ausbrechen der Zugkombinationen – zumindest bei der Geradeausfahrt.
Für die LKW-Fahrer war die fünfpolige ABS-Steckverbindung hingegen lästig. Der ISO 7638-Stecker wurde mit einem Bügel zur Fixierung der Verbindung ausgestattet.
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