Page 232 - Trailer-Journal 2020/2021
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                               LADEN | LADUNG
Ladungssicherung
  THEORIE, TECHNIK
PRAXIS
Im Prinzip ist die Ladungssicherung ein Fall für die Mechanik,
mit ein paar physikalischen Grundlagen. Ihr Problem ist: sie kennt nicht immer die Eigenschaften der Ladungsgüter. Diese können fest, komprimierbar, glatt oder auch scharfkantig sein. Und noch vieles andere mehr.
VORSCHRIFTEN
Die erste technische Richtlinie in Deutsch­ land zur „Ladungssicherung auf Stra­ ßenfahrzeugen“ wurde im Jahre 1975 herausgegeben, vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf unter der Nummer 2700. Von dieser Richtlinie VDI 2700 gibt es dann noch die Versionen von 1990 und 2004. Hinzugekommen sind Vorschriften für bestimmte Ladungsgüter in den VDI 2700­Blättern – derzeit sind es 23 (siehe Kasten). Zum Teil sind DIN­ und VDI­Vorgaben inzwischen in EN­Normen gewandelt worden oder ihre Vorgaben wurden eingearbeitet.
Die Aktivitäten der VDI­Arbeitskreise und der EU­Komitees für Normung müssen die Transportunternehmen in Deutschland im Auge behalten. Denn nach § 22 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung sind bei der Ladungssicherung „... die anerkannten Re­ geln der Technik ...“ zu beachten. Und dazu gehören nun mal die VDI­ und EU­Richtli­ nien. Es ist aber unstrittig, dass man eini­ ge deutsche Vorgaben durchaus kritisch sehen kann. So gelang es einer schwedi­ schen Forschergruppe im Auftrag eines schwedischen Papierherstellers, bestimm­ te Bestimmungen des EN 12195­1 in Brüssel ändern zu lassen.
ZERTIFIZITIS
Die EU hat es außerdem verstanden, die Einrichtung des „amtlich anerkannten Sachverständigen“ durch die Einrichtung des privaten Sachverständigen zu karikie­ ren. Der wiederum kann sich an privaten Instituten „zertifizieren“ lassen.
In der Folge haben wir in Europa in Sa­ chen Ladungssicherung die Situation, dass jeder, der sich dazu berufen fühlt, prüft, zertifiziert und irgendwelche „Standards“ entwickelt. Das ist außerhalb der EU an­ ders. Dort werden seit mindestens 15 Jah­ ren auch Richtlinien zur Ladungssicherung entwickelt. Die sind aber immer Richtlinien einer staatlichen Stelle. Zum Beispiel:
• Health and Safety Laboratory (GB­Bux­
ton): Load security on curtain sided lor­ ries (2008)
Erste Erkenntnisse der Ladungs­ sicherung verdankt der Straßen­ güterverkehr dem Übersee­ Schiffsverkehr. Der kennt zwar viel längere Bremswege, ist aber ebenso empfindlich für seitlichen Ladungs­ verschub und fehlerhafte Lastverteilung.
ANFÄNGE
Erste Untersuchungen zur Ladungssiche­ rung verdanken wir daher den Hafenfach­ schulen. Drei Experten haben hier die Dis­ kussion zur Ladungssicherung beflügelt: die Herren Winfried Strauch, Hermann Kaps und Uwe­Peter Schieder. Alle drei besitzen ein Kapitänspatent.
Im Straßengütertransport wurden Probleme der Ladungssicherung lange ig­ noriert. Der Ingenieur Wolfram Bläsius, Gutachter für Güterschadensversicherer, wies in den 80er Jahren auf Mängel der VDI­2700­Richtlinie hin. Zum Beispiel auf den Tippfehler in der Lastverteilungs­Be­ rechnung. Wegen dieses Fehlers wurden 4x2­LKW mit 6,2 m Ladelänge mit 4,8 m Radstand ausgestattet. Weshalb der LKW bei Teilentladung vorne immer überla­ den war. Anfangs – wir reden von 1975 und den Folgejahren – war das Thema Ladungssicherung ein Experimentierfeld für Experten. Mit der Transportpraxis hatte das alles nichts zu tun.
         Anker- und Doppelstock-Schienen im Krone Cool Liner
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