Page 72 - Trailer-Journal 2020/2021
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                                BAU
Kipper | Komponenten
   Kippmulde von Kässbohrer
KIPPERBÖDEN UND KIPPERWÄNDE
Die Dreiseitenkipper der 20er bis 60er Jah- re wurden mit Wänden aus Stahlrahmen mit Holzeinlagen gefertigt und innen mit Stahlblech ausgeschlagen. Um dem La- dungsdruck der Schüttgutladungen zu widerstehen, waren die Bordwände mit geschmiedeten Verschlüssen ausgestattet. Öffnen konnte man sie: nur mit dem Ham- mer. Dann fielen sie herunter, und man konnte zu dieser Seite kippen.
Oft wurden auch Ketten gespannt, um die Bordwände im Schüttwinkel zu begren- zen. Weil das Verfahren bis heute üblich ist, besitzen zahlreiche Mehrseitenkipper federnde Nocken, welche die Wände daran hindern, Fahrzeugteile seitlich am Rahmen zu beschädigen.
Mit der Entwicklung der Ganzstahl- kipper stellt sich das Problem, schwere Seitenwände arbeitssicher heben und senken zu können. Hierfür wurden schrau- bengefederte Absenksysteme installiert, die ein Abklappen und Aufrichten aus 180 Grad erlauben.
Die nächste Optimierung war die hyd- raulisch bewegte Seitenwand. Sie lässt sich so einrichten, dass der Schüttkegel sich- weit vom Fahrzeug zur Seite auftürmt (90° Stellung), so dass LKW und Anhänger ohne Befahren des Schüttgutes weiter bewegt werden können. Die zweite wichtige Funk- tion ist das Anklappen um 180 Grad für die Seitenbeladung.
Als Kipperboden verwendet man eine Blechtafel. Sie kann auch mehrteilig sein, dann mit zum Heck hin größeren Blech- stärken. Die Seitenwände sind in der Re- gel nur aus einer Materialsorte gefertigt. Deren Herstellung ist aufwändiger, da die Tafel mit Verstärkungen, Ober- und Unter- gurt, Verschluss-Beschlägen und seitlichen Abschlussprofilen ausgestattet werden muss.
Auf den Boden werden die Unterzüge geschweißt. Man benötigt eine größere Zahl von Querträgern, um das Wellen des Bodens durch auftreffende Schüttgutla- dungen zu verringern. Kipper mit zentra- lem Kippstempel müssen im Bereich der Krafteinleitung verstärkt sein. Ob man die Hauptträger sternförmig zu den Ecken ausführt oder parallel zum Außenrahmen, wird von den Herstellern unterschiedlich gehandhabt. Beim Mehrseitenkipper sollte auf geschlossene Profile geachtet werden,
    Schwarzmüller: Stahl-Stahlrundmulden-Sattelkipper
Stirnwand-Konstruktion (senkrecht oder angewinkelt), wird die oberste Stufe am Wannenboden oder oben angeschlagen.
Unterschiedliche Auslegungen gibt es bei den Kippwellen. Diese werden mit Gleitlagern, meistens Bronzebuchsen, aus- gestattet. Ob die Lager jetzt möglichst weit außen oder nur neben den Längsträgern montiert werden, dazu gibt es unterschied- liche Konzepte. Auch die Frage, ob die Mul- denanbindung möglichst zierlich sein soll, um im Falle des Umkippens als Sollbruch-
stelle zu funktionieren, wird von den Fahr- zeugherstellern unterschiedlich ausgelegt. Wie bei den vorsichtigen LKW-Herstel-
lern bezüglich der Auslegung der Kipper- Hilfsrahmen wird von einigen Kipper- Herstellern eine Versteifung zwischen Kippwelle und Längsträger bevorzugt. Die- ses „Kipperblech“ ist technisch nichts als die Versteifung des Chassishecks zu einem verdrehungarmen Kastenprofil. Einige Her- steller bestehen darauf, dass sie diese Ver- stärkung konstruktiv anders lösen.
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