Page 85 - Trailer-Journal 2020/2021
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                   GROSS DENKEN
Wie beim Kipper ist auch beim Ab- setzer und Abroller der größte Fehler, das Gerät in Sache technischer Leis- tungsfähigkeit zu klein dimensioniert zu kaufen. Beim Absetzsystem ist die vollhydraulische Ladungssicherung ein Muss.
Bei Absetzern und Abrollern ist die Funk-Fernbedienung heute Stand der Technik. Zudem ist die elektronisch geregelte Folgesteuerung des Aufneh- mens, Absetzens und Kippens ein Zeit- und Sicherheitsgewinn.
 Schlittenchassis von Kempf
matisch betätigte Pratzen). Um die Mulde zu kippen, wird der Zentralrahmen mit verbolztem Scharnier gekippt. Zahlreiche Systeme verwenden hier hydraulisch betä- tigte Walzen zur Abstützung des Chassis.
Der große Vorteil des Hakensystems ist seine Fähigkeit, die Mulden auf einen Anhänger schieben und abnehmen zu können. Mit einer absenkbaren Deichsel gelingt diese Operation auch von der Vor- derseite des Anhängers her.
ABROLLMULDEN
Wie bei der Absetzmulde auch, ist der Mangel an frühzeitiger Normung beim Abrollbehälter die Ursache für zahlrei- che Sonderausführungen. Die würde es nicht geben, wenn wie bei der Wechsel- pritsche nach EN 283/284 von Anfang an die ISO-Verriegelungen vorgeschrieben worden wären. Man hätte sich einige nur kraftschlüssige oder nur mit Aufwand zu platzierende Ketten-Kreuzverriegelungen erspart.
Erst seit dem Jahr 2010 erhalten die Anhängerfahrzeuge seriöse formschlüssi- ge Blockierungen der Mulden. Besonders aufwändig sind die Anhängerfahrgestelle, die für Absetz- und für Abrollmulden kon- zipiert werden, weil die Verriegelungen je- weils völlig anders sind.
Während die Absetzmulde in der Re- gel nur im regionalen Verkehr eingesetzt wird, ist die Volumen-Abrollmulde nicht
selten ein Kandidat für den kombinierten Güterverkehr über lange Strecken. Dass sie so wenig genutzt in dieser Verkehrsart wird, hat mit der mangelnden Kompatibi- lität von Behältern und Waggons zu tun. Die Abrollmulde ist bis auf wenige Volu- menmulden – leider – keine mit den Palet- tenmaßen (800 x 1.200 und 1.000 x 1.200 mm) kompatible Ladungsbehältergröße, der ISO-Container mit 8 x 8 x 20/30/40 Fuß auch nicht.
MULDENABDECKUNG
In Großbritannien und in den USA muss jede Schüttgutladung abgedeckt werden, um Ladungsverluste zu vermeiden. In der Regel werden längs oder quer gelagerte Rollos elektromechanisch über die Kästen gespannt. Somit vermeidet man Arbeiten des Fahrers an und oft auch auf der Mul- de. Wegen der geringeren Höhe sind Ab- setzmulden vom Boden aus einigermaßen einfach zuzuplanen. Schwieriger ist das Öffnen, wenn die Mulde auf dem Kipper steht. Streng genommen ist das Arbeiten dort nicht zulässig, weil dem Kipper die Re- ling einer Arbeitsbühne hehlt.
Der Abrollkipper wird – wenn über- haupt – mit einer Rollplane verwendet. Für die Betätigung dieser Planenart werden oft zwei feste Stehleitern an der Stirnwand montiert. In der Praxis muss häufig eine Anlegeleiter genügen. Beide Methoden sind nicht übermäßig arbeitssicher.
Es gibt zwar Abrollmulden mit zwei- teilig verschiebbaren Dächern, auch ein- seitig mittels Winde, Handhydraulik oder Elektrohydraulik aufstellbaren Stahlblech- Dächern. Das Standardmodell ist aber die offene Mulde mit der losen Plane, die vom Fahrer auf dem Kasten verspannt werden muss.
Hätten die in Deutschland nicht gerade seltenen Gesetzes- und Verordnungsgeber ein Einsehen, was Einsicht voraussetzt, würden sie die Gestänge und Bügel, die zur Führung eines Rollos nötig sind, nicht zur Fahrzeugbreite zählen. Der Gewinn an Arbeits- und Verkehrssicherheit wäre be- trächtlich.
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