Page 96 - Trailer-Journal 2020/2021
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                                  SCHWERTRANSPORT | BAU
Tieflader
SCHWERES
GESCHÄFT
Der Begriff „Tieflader“ ist nicht ganz genau zu definieren: Es kann sich um ein Ladebett unterhalb der Räderhöhe des Fahrgestells handeln oder um ein Fahrgestell mit Rädern niedriger Höhe im Vergleich der Bereifung der Zugmaschine. Diese Technik nennen unsere Nachbarn „Semitieflader.“
     Um schwere Lasten über län- gere Strecke zu bewegen, nutzte man zur Zeit der in- dustriellen Revolution (die Ära von Kohle, Eisen und Stahl, ab circa 1830) das Binnenschiff und dann später auch die Güterbahn. Das heißt: wer weder Fluss, Kanal noch Gütergleis vor Ort hatte, konnte auch keine schweren Gü- ter empfangen oder versenden.
URSPRÜNGE
Bis etwa 1930 waren Großraum- und Schwertransporte über die Straße durch die vergleichsweise geringe Motorleistung der Zugmaschinen begrenzt. Ein zweiter Aspekt war die geringe Tragfähigkeit der Reifen. Ein Raupenbagger musste deswe- gen von der Seite auf das Tiefbett gefahren werden, auf dem Tiefbett um 90 Grad dre- hen und konnte dann verfahren werden.
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Kässbohrer: Fünfachs-Semitieflader
Ein Sonderprojekt ging von der Deut- schen Reichsbahn aus: Das Unternehmen beauftragte seinen Mitarbeiter Johann Culemeyer mit der Entwicklung eines An- hängers, auf dem Waggons auf der Straße transportiert werden konnten. Culemeyer entwickelte ein Niederflur-Chassiskonzept mit Vollgummibereifung und Achsschen- kellenkung, den „Straßenroller“ (beschrie- ben in: J. Wahl/ A. Luig: Kaelble, Brilon 1999, S.52ff).
Der LKW- und Motorenhersteller Kael- ble wurde in den Folgejahren gezwungen, immer stärkere Zugmaschinen zu liefern, da der Straßenroller sich auch als Schwer- last-Trägerfahrzeug einsetzen ließ. Diese Zusammenarbeit sorgte für eine Vorherr- schaft der Bahn in Deutschland bei den Schwertransporten bis in die 60er Jahre.
STRASSEN-SCHWERTRANSPORT
Die große Bereifung am Heck von Tief- ladern und die Schwierigkeit, schwere Maschinen dort (ohne Kran) zu platzie- ren, erforderte technische Lösungen, um das hintere Achsaggregat zur Seite zu drehen. Das erste Patent von Ton (Anto- nie) Nooteboom 1956 beschreibt die zur Seite ausdrehbaren Heckfahrwerke (GB 799553). Zwei Jahre später meldet Heinrich Langendorf das mittels Zahnscheiben aus- drehbare Heckfahrwerk zum Patent an (DE 1236951). Es besaß zwei versetzte Stumme- lachsen, um die Baubreite zu verringern.
    




















































































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